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April 22, 2015

Adolf Portmann

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Die Frage nach dem Sinn der Gestalt von Pflanzen und Tieren führt an die Grenzen unseres Wissens um das Sein. Ist die äußere Gestalt zweckmäßig? Ist sie nützlich? Oder ist sie vielleicht oft nur ein Attribut der Schönheit?Die Antwort auf diese Fragen lautete bis in unsere Zeit: Eine Blüte ist schön und gleichzeitig zweckmäßig, weil ihre auffällige Erscheinung Insekten anlockt; ein Tier, etwa ein Fisch, ist ebenfalls schön, und seine Form erfüllt zugleich den Zweck, den Widerstand des Wassers auszugleichen. Aber die Frage, ob ein Baum oder ein Pilz Schönheit und Zweck in sich vereinen, blieb unbeantwortet.

 

Der Schweizer Zoologe Adolf Portmann, Ordinarius an der Baseler Universität, räumte mit den überkommenen Begriffen des 19. Jahrhunderts von der „Zweckmäßigkeit“ und „Schönheit“ auf. Stattdessen versuchte er, das Einzigartige, das ein Tier vom anderen unterscheidet, zu erfassen und zu erklären. Er gab durch seine Gehirn- und Farbuntersuchungen den Begriffen vom „höheren“ und „niederen“ Tier neue Bedeutung; seine Beweisführung, daß die Tiergestalt Zeuge innerer Vorgänge sei und daß ein Tier durch seine Bewegungen „soziale Reize“ auf Artgenossen ausübe, daß ferner jedes Tier eine Mimik habe, verschaffte ihm Weltgeltung.

 

Die Forschungen von mehr als drei Jahrzenten führten ihn über das Problem der Gestalt von Pflanzen und Tieren auch zu einer neuen, grundlegenden Anschauung von Menschen, indem er gegen die schon zur Tradition gewordene Überheblichkeit ankämpfte, nach der das Geheimnis der Menschheitswerdung längst entschleiert sei. Er behauptete, daß niemand um die Entstehung der Menschheit wisse und daß die Schwelle, die den Menschen vom Tiere trenne, groß, dunkel und unüberschreitbar sei.


Geschrieben von Bobo - Website besuchen
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