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April 25, 2015

Albert Lortzing

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„Sein Lied war deutsch und deutsch sein Leid!“ – so steht es auf der Porzellantafel, die auf dem Berliner Sophienfriedhof die Ruhestätte des Schauspielers, Sängers, Kapellmeistes und Tondichters Albert Lortzing bezeichnet. Der Nachruf zeugt von der Tragik dieses Künstlerlebens. „Ich darf Dir zuschwören“, gesteht der von seinen Zeitgenossen verkannte Komponist so erfolgreicher Spielopern wie „Zar und Zimmer-mann“, „Wildschütz“, „Undine“ und „Waffenschmied“ einem Freund, „es fehlt mir manchmal am Notwendigsten. Zum Versetzen habe ich nichts mehr und kann mich doch vor der Welt nicht bloßgeben, weil ich mich schäme…“ Der Brief ist kurz vor dem plötzlichen Tode Lortzings geschrieben worden.

 

Kulissenintrigen in Leipzig hatten den feinfühligen Dirigenten veranlaßt, ein Engagement am Friedrich-Wilhelm-städtischen Theater in Berlin anzunehmen. Das Wiedersehen mit dieser Stadt, wo Lortzing am 23. Oktober 1801 als Sohn eines Lederhändlers geboren war, wurde jedoch zur schweren Enttäuschung. Die Gage war klein, Benefizabende fanden vor fast leeren Häusern statt; die Verleger waren interesselos, weil die Bühnenleiter französische Opern bevorzugten. Die geringen Honorare konnten die trostlose Lage nicht bessern.

 

Den Erfolg seiner vierzehnten Oper der „Opernprobe“, hat Lortzing nicht mehr erlebt; der Abend, an dem seine letzte Schöpfung aufgeführt wurde, war zugleich der letzte des sorgenzerquälten Vaters von 11 Kindern. Zu spät erkannte die Öffentlichkeit, was sie an dem einfallsreichen Komponisten versäumt hatte. Lortzing selbst hat in einem verzweifelten Aufschrei gegenüber dem Schauspielerkollegen Phillip Reger die Bilanz seines Lebens gezogen, wie er sie nach den zahlreichen Enttäuschungen ansehen mußte: „Mein ganzes Dasein dünkt mich ein verfehltes!“


Geschrieben von Bobo - Website besuchen
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