Kritik am New Public Management Teil 3

Politikwissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist eine funktionale Verflechtung von Politik und Verwaltung sehr sinnvoll, wohingegen die Trennung von Politik und Verwaltung diesen Erkenntnissen zuwider läuft. Trotzdem ist ein wichtiger Baustein des New Public Management (NPM) die Trennung von Politik und Verwaltungen. Indem die Politik den dezentralisierten Verwaltungseinheiten mehr Verantwortung überträgt und sie sogar teilweise zu Profit-Centern ausbildet führt diese Maßnahme zu einer Fragmentierung des Verwaltungswesens.

Die unter dem Wettbewerbsdruck stehenden Verwaltungseinheiten verlieren so ihren Sinn für den common sense, womit die wechselseitige Solidarität und Hilfestellungen gemeint sind. Stattdessen neigen die Organisationseinheiten dazu sich egoistisch zu verhalten und sich abzuschotten, damit sie im Zuge des Wettbewerbsstrebens für ihre eigene Verwaltungseinheit Wettbewerbsvorteile sichern können. Die Auswirkungen des beschrieben Verhaltens seitens der Organisationseinheiten wirkt sich auch auf das Organisationsklima der Beschäftigten aus. Abnahme von Vertrauen und Zusammenarbeit, eine schlechte Kommunikation, Verschlechterung der Arbeitsbeziehungen sowie eine schlecht informierte Belegschaft sind möglicherweise die Folge.

Die neue ökonomische Steuerungslogik führt zu einer Umgestaltung der Kultur im Bereich des Verwaltungswesens, die sich durch eine wirtschaftliche und kommerzielle Wertvorstellung auszeichnet. Sie könnte die klassischen Werte des Bürokratiemodells wie Gleichheit, Integrität, Professionalität und Berechenbarkeit des Verwaltungshandelns ersetzen. Infolgedessen würde die Rechtssicherheit des politisch-administrativen Systems durch eine ‘Marktsicherheit’ kompensiert werden, die allerdings eine sehr zweifelhafte Sicherheit wäre.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist das Bild des Bürgers im NPM. Dieser avanciert von einem Staatsbürger mit Rechten und Pflichten zu einem Kunden und Konsumenten. Der Bürger soll im NPM nicht nur als Kunde gesehen, sondern er soll auch wie ein Kunde behandelt werden. Hier stellt sich allerdings die Frage ob es angemessen ist, den Bürger tatsächlich als Kunden zu betrachten und entsprechend zu behandeln, wenn er öffentliche Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Die unterschiedlichen Rollendifferenzierungen, wie z. B. Student, Gewerbetreibender, Steuerzahler usw., weichen hinsichtlich des politisch-administrativen Bezugs im Rahmen des NPM einer Uniformität der Verhaltenserwartungen. Bei Postdiensten oder Leistungen im öffentlichen Nahverkehr ist daher die Betrachtung des Bürgers als Kunde vielleicht in Ordnung, nicht jedoch bei Leistungen die polizeiliche Aktivitäten erfordern oder Leistungen bei denen die Finanzverwaltung in Anspruch genommen wird.

Die Gefahr besteht, dass der Staatsbürger, dessen Rolle auf einem komplexen Geflecht aus Rechten und Pflichten aufbaut, zugunsten des zahlenden Konsumenten ersetzt werden könnte. Dies führt am Ende möglicherweise zu einem Staatsmodell, in dem der Konsument sich von den Staatspflichten eines Bürgers befreit. Die Folge wäre eine Auflösung der demokratischen Teilhabe und Kontrolle, die wegen einer einseitig beherrschten ökonomischen Perspektive aufgegeben wird.

Geschrieben von Bobo - Website besuchen
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